In der Vorbereitungsphase zur Gründung des Rheinischen Bauernmarktes Swisttal gab es bei den Initiatoren keinen Zweifel über die Rolle des Zehnthauses bei diesem Vorhaben, war doch die Gemeinde Eigentümer des Denkmals und damit schien alles geklärt. ie wurde das Projekt von Seiten des Vereins Zehnthaus betrachtet, der nach einem Nutzungsvertrag mit der Gemeinde die „Hoheitsrechte“ über das Gebäude besaß? Der Plan der Gemeinde kam für den Vorstand ohne jegliche Vorwarnung. Der 1. Vorsitzende, Dr. Eckart Stiehl, gerade wenige Wochen im Amt, war bei der ersten Einladung im März 2006 von einem eher symbolischen Zusammentreffen ausgegangen und somit im Hinblick auf die Thematik, deren mögliche Konsequenzen für den Verein und dem Fortschritt der Planung völlig überrascht.
Wenn auch die Grundidee positiv zu bewerten war, so musste zu diesem Zeitpunkt fairerweise doch drauf hingewiesen werden, dass die direkte Einbindung des Zehnthauses in das Projekt mit Blick auf die Vereinssatzung nicht unproblematisch war. Der Verein hatte die Gemeinnützigkeit erhalten, weil er ein Kulturerbe pflegt und Kulturarbeit leistet. Zu bewerten waren also die Themen Gemeinnützigkeit versus Kommerz, Denkmalschutz versus Dauernutzung, ideelles und materielles Engagement des Vereins versus Kooperation mit einem auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Projekt.
Gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde machte sich Dr. Stiehl auf den Weg nach Hamminkeln, um sich bei den für den Rheinischen Bauernmarkt Verantwortlichen einen persönlichen Eindruck von der Einrichtung zu verschaffen. Es folgten intensive Beratungen im Zehnthaus-Vorstand, die im Ergebnis alsbald zu einer Zustimmung zu dem beabsichtigten Projekt führten. Die Bereitstellung der Sanitäranlagen und die Vermietung des unteren Saals an das Bauerncafé standen der Vereinssatzung nicht entgegen und damit war die Gemeinnützigkeit nicht gefährdet.
Und so nahm der Bauernmarkt seinen positiven Verlauf. Da der Rheinische Bauernmarkt ein geschützter Begriff war und die Erzeugnisse nur aus einem Umkreis von 80 km kommen durften, musste der beliebte Fischhändler aus Bremerhaven seinen mobilen Stand am Zehnthofplatz aufgeben, sehr zum Bedauern der Odendorfer Bevölkerung. Nach zahlreichen Einwänden wurde der Rheinische Bauernmarkt in Swisttaler Bauernmarkt umbenannt. Damit war die strenge regionale Produktbeschränkung aufgehoben und zur Freude aller durfte der Fischhändler an seinen angestammten Platz zurückkehren.
Bereichert wurde der Markt in den Folgejahren durch zahlreiche Attraktionen. Großen Raum nahmen die Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen der „Treckerfreunde Rheinbach“ ein, zu denen auch die Odendorfer Familie Cramer gehörte. So waren u.a. ein Trecker „Eiche E 16“ aus dem Jahr 1950 mit 16 Pferdestärken zu bewundern, eine historische Dreschmaschine und andere landwirtschaftliche Geräte. Viel Aufmerksamkeit bekam die schwerste Mutterkuh Swisttals mit einem Schätzgewicht von ca. 14 Zentnern, dabei ihr vier Monate altes Kalb. Auch eine Tierschau mit handzahmem Federvieh war zu bewundern.
Einmal fand zum Auftakt des Erntedankfestes ein Gottesdienst unter freiem Himmel statt, die „Hellije Mess op Platt“, gehalten von Pfarrer Michael Eschweiler und musikalisch gestaltet vom Fanfarenkorps Essig-Odendorf. Im Herbst gab es Wein und Zwiebelkuchen und zur Jahreszeit einen kleinen Weihnachtsmarkt. Alles war von einer wohlwollenden Grundstimmung getragen. Das Bauernmarktcafé entwickelte sich zu einem Zentrum dörflicher Kommunikation. Über das weitere Schicksal wird zu berichten sein.
Standort Zehnthaus:
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